Fotos im Fokus: Bebilderung von Unternehmenswebseiten

06.03.2017 - Jens Jungclaus Fotos im Fokus: Bebilderung von Unternehmenswebseiten

Ob auf Unternehmenswebseiten, auf Facebook oder in Blogs: Ohne Fotos geht gar nichts – niemand möchte auf seinem Online-Auftritt eine Textwüste haben. Allerdings: Viele sind sich nicht bewusst, was für Folgen ein unbedarfter Umgang mit Bildmaterial haben kann. Besonders bei der Bebilderung des eigenen Unternehmensauftritts im Netz sollte man sich über die rechtlichen Regeln im Klaren sein, um Abmahnungen und ähnlich unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Urheberrecht: Automatischer Schutz fürs Bild

Das deutsche Urheberrecht stellt klar, dass jedes Lichtbild nach dem Druck auf den Auslöser automatisch für den Urheber geschützt ist – es ist also nicht nötig, dieses Recht irgendwo anzumelden. Ein Foto muss im Gegensatz zu Text- und Musikwerken nicht einmal eine sogenannte Schöpfungshöhe besitzen. Das heißt, dass jede noch so verwackelte und triviale Aufnahme vom Urheberrecht geschützt ist. Der Urheber kann selbst entscheiden, an wen er Nutzungsrechte für die Online- oder Offline-Nutzung zu welchen Konditionen vergibt. Das Urheberrecht verbleibt stets beim Urheber. Im Umkehrschluss heißt das: Wer ein Bild nutzen möchte, muss vom Urheber immer das Nutzungsrecht erwerben.

Stockfotos von Online-Bildagenturen

Für Freiberufler sowie kleine und mittelständische Unternehmen mit schmalem Budget sind die Angebote von Online-Bildagenturen wie Fotolia und Shutterstock ein bequemer Weg, den Online-Auftritt zu bebildern. Dabei sollte man sich aber die Nutzungsbedingungen der betreffenden Bildagentur genau anschauen. Wichtig ist, dass man genau die Nutzungsrechte erwirbt, die der Verwendung auf der eigenen Website entsprechen. Soll das Motiv in irgendeiner Form bearbeitet oder auf Social-Media-Kanälen verbreitet werden, sind gesonderte Rechte zu erwerben. Ganz wichtig: Grundsätzlich ist immer der Urheber des Bildes im Rahmen der Nutzung zu nennen. Wie und wo das zu geschehen hat, lässt sich ebenfalls den Nutzungsbedingungen der Bildagenturen entnehmen.

Nutzungsrechte und Co: Fotografen beauftragen

Wenn auf einem Verkaufsportal eigene Produkte abgebildet werden sollen oder die Bilder einer Corporate Identity entsprechen müssen, wird meistens ein professioneller Fotograf beauftragt. Bei der Honorarverhandlung ist zu klären, wie die Bilder später eingesetzt werden – etwa als Teil einer PR-Maßnahme oder werblich. Sollten Models zum Einsatz kommen, muss der Fotograf für ein sogenanntes Model Release sorgen: Das ist ein Vertrag, in dem die Models in zeitlicher und räumlicher Hinsicht unbeschränkt sämtliche Nutzungsrechte gegen Honorar an den Urheber und seine Rechtsnachfolger abgeben. Idealerweise sollte diese Vereinbarung alle bekannten Nutzungsarten abdecken, damit die Aufnahmen zu einem späteren Zeitpunkt auch für Printwerbung und andere Veröffentlichungen frei sind. Auch zukünftige Verfremdungen der Motive etwa mit Models sollten mit dem Model Release abgegolten sein. Für den Fotografen gilt natürlich dasselbe: Alle relevanten Nutzungsrechte seiner Aufnahmen sollten gegen Honorar in den Besitz des Auftraggebers übergehen.

Vorsicht bei Passanten und Markenzeichen

Ein weiterer sensibler Bereich sind fremde Personen auf Außenaufnahmen, zum Beispiel von Firmengebäuden: Sind Passanten auf den Aufnahmen eindeutig als „Beiwerk“ erkennbar, lassen sich die Fotos in der Regel problemlos veröffentlichen. Eine Person auf einem Foto ist im juristischen Sinne immer dann Beiwerk, wenn das Hauptmotiv klar im Vordergrund steht und somit als solches klar erkennbar ist. Als Faustregel kann folgende Frage gelten: Wenn die Person nicht auf dem Bild wäre, würde das dann das Hauptmotiv/die Bildaussage verändern? Wenn dies klar verneint werden kann, ist sie lediglich Beiwerk.

Sollten Personen dagegen im wahrsten Sinne des Wortes zu sehr in den Fokus geraten, ist Vorsicht geboten. Wenn die betreffenden Personen der Aufnahme nicht schriftlich eingewilligt haben, sollte man von einer Veröffentlichung besser absehen. Ähnliches gilt für Markenzeichen anderer Unternehmen in eigenen Motiven – hier greift der Markenschutz: Die visuelle Wiedergabe der Marke darf auf keinen Fall in einen Kontext zu anderen Marken oder in einem sonst wie unzutreffenden Kontext dargestellt werden. Beispiel: Der Hersteller der Whiskey-Marke Jim Beam veröffentlichte eine Werbeanzeige mit einem Motiv, dass die Flasche zusammen mit einem Rolls-Royce-Kühlergrill zeigte – die Nobelmarke sollte auf das Getränk positiv abstrahlen. Das Motiv wurde abgemahnt.