Geknipst oder fotografiert?
Die Bildkomposition macht den Unterschied

22.03.2017 - Jens Jungclaus Geknipst oder fotografiert? <br>Die Bildkomposition macht den Unterschied

Ob per Smartphone für den eigenen Blog oder vom Fotoprofi für die Unternehmenswebseite: Digitale Fotos sind ebenso wie eine grafisch gelungene Seitengestaltung unerlässlich, wenn der Content nicht zur Textwüste verkommen soll. Woran erkennt man ein „gutes“ Bild? Ganz einfach: neben der technischen Komponente in erster Linie an einer gelungenen Bildgestaltung.

Goldene Regel: Der goldene Schnitt

Die harmonische Aufteilung eines Bildes nach dem goldenen Schnitt hat ihre Wurzeln in der bildenden Kunst der Antike. Sie beruht auf der Annahme, dass der Natur eine ästhetische Struktur innewohnt, die sich mathematisch berechnen lässt. Demzufolge sollen Architektur und Kunst Proportionsverhältnisse aus der Natur übernehmen, die als besonders ästhetisch gelten. Auf mathematischer Ebene bedeutet der goldene Schnitt, dass eine Strecke in zwei Teile geteilt wird, bei der der kürzere Teil der geteilten Strecke zum längeren Teil dasselbe Verhältnis wie dieser zur gesamten Strecke hat (c : b = a / a = c + b). In der Fotografie bedeutet das bei Querformaten eine Aufteilung des Bildes im Verhältnis 3:5, bei Hochformaten im Verhältnis von 2:3.

Visuelle Schwerpunkte des Bildes, die wichtig für die Bildaussage sind, sollten an den Schnittstellen dieser Formate positioniert werden. Mit dem goldenen Schnitt lässt sich ein Zuviel an Symmetrie vermeiden. So sollte ein Horizont nie in der Mitte des Bildes liegen, damit beim Betrachter mehr Spannung erzeugt wird. Als Vereinfachung des goldenen Schnitts gilt die „Drittelregel“: Dabei wird das Motiv in zwei horizontale und zwei vertikale Linien unterteilt und so in neun gleiche Teile gegliedert. Das Hauptmotiv des Bildes sollte an den Schnittpunkten oder entlang der Hilfslinien platziert werden. Viele Kameramodelle besitzen die Möglichkeit, solche Linien in den Sucher einzublenden.

Gute Gründe für mehr Ordnung:
Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund

Grundsätzlich ist es für einen geordneten Bildaufbau von Vorteil, wen man sein Motiv klar in Vorder-, Mittel- und Hintergrund unterteilt – mit unterschiedlichen Gewichtungen. Die drei „Flächen“ sollten unterschiedlich gewichtet sein, um Spannung im Bild zu erzeugen. Ein so „geordnetes“ Bild hat mehr Tiefe – ein Umstand, der sich bei vielen Landschaftsfotografien betrachten lässt.

Die Fotowelt in Farbe

Farbfotos dominieren das Netz. Gelegentlich werden Schwarzweißbilder aus künstlerischen Gesichtspunkten oder als Reminiszenz an den Bildjournalismus des 20. Jahrhunderts verwendet, aber ansonsten geben farbige Lichtbilder den Ton an. Fundierte Kenntnisse über die Gestaltungsmöglichkeiten der Farbfotografie sind daher empfehlenswert.

Sorgt auffallend für Spannung: Der Komplementärkontrast

Komplementärkontrast Komplementärkontrast: Die Komplementärfarben Rot und Grün. © Jens Jungclaus

Der Begriff Komplementärkontraststammt aus der Farbenlehre und bezeichnet sowohl bei der additiven als auch bei der subtraktiven Farbmischung Farben, die zusammengemischt Grau ergeben. Es handelt sich vereinfacht gesagt um Farbenpaare (Blau – Gelb/Orange, Rot – Grün), die sich im Farbkreis der jeweiligen Farbenlehre gegenüberstehen. Komplementärkontraste haben eine hohe Signalwirkung, weswegen die Farbenpaare oft in der Werbung und auf Verkehrsschildern Verwendung finden.

Blick aufs Wesentliche: Der Quantitätskontrast

Quantitätskontrast Quantitätskontrast: Kleiner Mond, große Wirkung. © Jens Jungclaus

Der Quantitätskontrast wird oft in Kombination mit dem Komplementärkontrast verwendet. Er erzeugt beim Betrachter ebenfalls eine optische Spannung, die den Blick auf das kleinere Bildelement lenkt. Beispiel: Ein rotes Auto befindet sich entfernt auf einer grünen Wiese – der Blick wird unweigerlich auf den Pkw gelenkt.

Sorgt für Stimmung: Der Kalt-Warm-Kontrast

Kalt-Warm-Kontrast Kalt-Warm-Kontrast: Kühler Himmel, warme Wolken. © Jens Jungclaus

Der Kalt-Warm-Kontrast entsteht durch Farbpaare, die eine warm und eine kalt wirkende Farbe miteinander kombinieren: Dazu gehören die Paare Blaugrün-Rotorange und Violett-Gelb. Kalt-Warm-Kontraste tauchen in Farbfotografien meist mehrfach auf und korrespondieren mit anderen Kontrasten, die sie verstärken oder schwächen können. Dabei drängt die warme Farbe dem Betrachter entgegen, während die kalte Farbe visuell eher zurückweicht.
Credit Titelbild: © Jens Jungclaus