Tschüss, Nerv-Ads: Besonders störende Werbung soll draußen bleiben

24.03.2017 - Matthias Lotzin Tschüss, Nerv-Ads: Besonders störende Werbung soll draußen bleiben

Die Coalition for Better Ads hat sich vor einem halben Jahr formiert, um die Welt von nerviger Online-Werbung zu befreien. Oder, wenn man es etwas nüchterner betrachtet, um die Verbreitung von Adblockern einzudämmen. Jetzt hat sich das Interessenbündnis zurückgemeldet – mit den Ergebnissen einer internationalen Erhebung zu besonders störenden Werbeformen, auf die künftig verzichtet werden sollte.

An der Eindämmung von Adblockern haben die Firmen und Organisationen hinter dem Bündnis ein veritables Interesse, der Koalition gehören die ganz Großen aus Werbung und Vermarktung an. Dazu zählen die Online-Werbegiganten Facebook und Google ebenso wie namhafte Verbände, Publisher und Konzerne. Randall Rothenberg, Vorsitzender des internationalen Werbeverbands Interactive Advertising Bureau, spricht von einem „wake-up call to brands, retailers, agencies, publishers, and their technology suppliers“ und hofft, „that they will retire the ad formats that research proves annoy and abuse consumers.” Ansonsten, so Rothenberg apokalyptisch, „ad blocking will rise, advertising will decline, and the marketplace of ideas and information that supports open societies and liberal economies will slide into oblivion.”

Welche Werbeformate auf die rote Liste kommen sollen

Um die am meisten verhassten Werbeformate zu ermitteln, hat die Coalition for Better Ads nach eigenen Angaben mehr als 25.000 User in Nordamerika und Europa befragt. Demnach sind die Nutzer sowohl im Desktop- als auch im Mobile-Bereich besonders stark genervt von:

• Pop-up-Werbung
• automatisch mit Ton startenden Videos
• Prestitials mit Countdown (Vorschaltseiten, die die eigentliche Seite für eine bestimmte Zeit komplett verdecken)
• Großflächige Sticky Ads (Werbung, die am unteren Rand einer Webseite kleben bleibt, wohin der User auch scrollt)

Im Mobile-Bereich werden laut der Befragung noch weitere Formate als extrem störend empfunden, darunter Anzeigen, die 30 und mehr Prozent einer Seite belegen, sowie Full-Screen Scrollover Ads, durch die sich der User scrollen muss, um den gewünschten Inhalt zu sehen. Eine Auflistung aller besonders lästigen Werbeformate liefert die Coalition for Better Ads hier.

Fraglich, wie die Branche reagiert

Und nun? Wirklich neu sind die Erkenntnisse der Befragung nicht. Dass viele User von den genannten Werbeformaten (und weiteren) genervt sein dürften, liegt auf der Hand. Trotzdem kommen sie vielfach zum Einsatz. Wird sich das ändern? Die Coalition for Better Ads spricht lediglich die Empfehlung aus, die monierten Werbeformen nicht mehr zu verwenden. Inwieweit sich die vielen Player mit ihren unterschiedlichen Interessen daran halten, bleibt abzuwarten. Zumal der Leidensdruck aktuell abnimmt: In Deutschland soll die Verwendung von Adblockern rückläufig sein. Darauf ein Countdown-Prestitial!