Wie man die organische Reichweite im Facebook News Feed maximiert

Björn Tantau
Von Björn Tantau Dezember 12, 2013

Aktuell wird viel über die gesunkene organische Reichweite im Facebook News Feed diskutiert, und es gibt zahlreiche Seiten auf Facebook, die davon scheinbar massiv betroffen sind. Organische Reichweite auf Facebook entsteht immer dann, wenn Postings bei den Fans einer Facebook Page angezeigt werden, ohne dass dafür Werbung gebucht wurde. In den vergangenen Tagen konnte man lesen, dass die organische Reichweite im News Feed teilweise um 90 Prozent gesunken sein soll. Auch wenn solche Werte höchstwahrscheinlich die Ausnahme sind, ist eine gewisse Verärgerung auf Seiten der Inhaber von Facebook Pages verständlich. Böse Zungen behaupten, dass Facebook die natürlich entstehende, organische Reichweite im News Feed absichtlich beschneidet, damit mehr Geld für Werbung ausgegeben wird.

Ob das so stimmt, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Reichweite gesunken ist, was aber nicht wirklich dramatisch ist, wenn man die Sache genauer beleuchtet. Weniger Reichweite heißt ganz sicher, dass auch weniger User erreicht werden. Es heißt aber auch, dass die User, die immer noch erreicht werden, garantiert nur solche User sind, die sich deutlich mehr für die angebotenen Inhalte interessieren. Nach wie vor ist es also wichtig, dass man seine organische Reichweite im Facebook News Feed maximiert. Wie das geht, zeigen wir in diesem Artikel.

Fans erreichen, wenn sie online sind

Das Thema „Social Timing“ ist nicht nur in Bezug auf Facebook interessant, sondern muss auch dann beachtet werden, wenn es zum Beispiel um neue Beiträge gibt, die über einen RSS-Feed verteilt werden, oder wenn ein neuer Newsletter konzipiert wird. Es ist sinnlos, Inhalte dann zu veröffentlichen oder zu versenden, wenn niemand oder nur wenige Personen aus der eigenen Zielgruppe auch wirklich online sind.

Facebook macht es uns in diesem Punkt einfach, denn die seiteninternen Statistiken bieten mit „Wann deine Fans online sind“ eine Übersicht, die ganz genau zeigt, wann die eigenen Fans erreichbar hier. Daraus lassen sich sinnvolle Schlüsse ziehen, denn die Übersicht funktioniert nicht nur für einen kompletten Zeitraum, sondern auch für einzelne Wochentage.

Auf Basis dieser Daten können die perfekten Zeiten für neue Postings schnell und einfach ermittelt werden. Wer hier systematisch und strategisch vorgeht, kann die organische Reichweite auf einfache Art und Weise maximieren, was mittel- bis langfristig auch zu mehr Interaktionen führen wird.

Fans erreichen, wenn sie online sind

Regelmäßig Inhalte veröffentlichen

In den vergangenen Jahren hat sich die Meinung etabliert, dass man seine Fans auf Facebook nicht „nerven“ darf. Daraus ergab sich unter anderem immer wieder die Ansicht, dass es schädlich sei, mehr als eine Veröffentlichung am Tag zu posten. Das Problem: Auch wenn die User immer mehr auf Facebook (auch mobil) unterwegs sind, sind nicht alle ständig online und Dauergäste auf Facebook.

Nur ungefähr die Hälfte aller Fans ist jeden Tag auf Facebook online und auch dann nur für einen begrenzten Zeitraum. Wer also nur eine einzige Veröffentlichung pro Tag platziert, läuft Gefahr, nur einen Bruchteil der eigenen Community zu erreichen. Auf diese Weise wird sehr viel Potenzial verschwendet, und die organische Reichweite kann natürlich nicht maximiert wird.

Eine simple Lösung ist, täglich mehrfach zu posten. Einzige Voraussetzung für das Gelingen dieser Strategie ist das Vorhandensein entsprechender Inhalte. Wer immer die gleichen Sachen postet, wird damit natürlich seine Anhängerschaft nerven. Wer aber die richtigen Zeiten ermittelt, an denen die eigenen Fans online sind (siehe oben), und dann immer wieder spannende und interessante Inhalte bietet, wird ganz sicher nicht unter Fanschwund oder mangelnder Reichweite leiden.

Hochwertige und interaktive Inhalte veröffentlichen

Diesen Tipp haben viele so oder so ähnlich schon gehört, und manche werden sich jetzt denken, dass das ja klar ist und deswegen eigentlich nicht erwähnt werden muss. Doch ist das wirklich so klar? Wenn man sich den eigenen News Feed mal in Ruhe und einige Zeit anschaut, dann wird man feststellen, dass sich längst nicht alle Publisher daran halten. Für die Qualität des News Feeds ist das selbstverständlich ein Problem, das langfristig zu einem Absinken der organischen Reichweite führt.

Facebook ist ein soziales Netzwerk und keine Werbetafel. Das wird leider oft vergessen, und entsprechend leidet die Qualität der Inhalte. Facebook will, dass sich die angemeldeten User „unterhalten“ und miteinander interagieren. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Inhalte. Wer also dafür sorgt, dass die eigenen Inhalte Interaktionen fördern, ist auf dem richtigen Weg. Dabei sollte man sich allerdings von dem Wahn verabschieden, dass jeder veröffentlichte Beitrag Unmengen von Interaktionen erhalten muss.

Auch Fans, die sich sehr für ein Produkt oder eine Marke interessieren, interagieren nicht immer mit allem, was angeboten wird. Die Inhalte werden aber zur Kenntnis genommen und auch gelesen, dieser Branding-Effekt darf nicht vergessen werden. Strategie und Planung sind eben auch auf Facebook sehr wichtig, und wer weiß, was er tut, wird sich über mehr organische Reichweite freuen können. Dabei spielt auch die Art der Interaktion eine Rolle und wie es dazu kommt. Hier sei darauf hingewiesen, dass Betteln um Likes, Kommentare oder Shares nicht dazu gehört – und Facebook hat in der Vergangenheit auch schon hat durchblicken lassen, dass man auf solche Inhalte keinen großen Wert legt.

Alte Inhalte wiederverwerten

Ein Evergreen ist ein Song, den Menschen auch nach Jahren immer noch gern hören. Evergreens gibt es aber natürlich nicht nur im Pop, auch Artikel, Bilder, Videos oder Präsentationen können solche Dauerbrenner sein. Inhalte, die von so hoher Qualität und Beliebtheit sind, dass sie praktisch immer und immer wieder funktionieren, können mehr als einmal verwendet werden.

Wie weiter oben schon erwähnt, erreicht man nicht immer die komplette Community auf Facebook. Wird ein Artikel nach ein oder zwei Monaten erneut gepostet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er von Fans gesehen wird, die ihn noch nicht kannten. Mit solchen Inhalten lässt sich dann weiter an der Interaktion mit den Fans schrauben. Alternativ (oder gleichzeitig) kann auch Traffic für eine externe Website generiert werden.

Welche Artikel Evergreens sind, kann man durch Analysen des eigenen Traffics erkennen. Stellt man mehrere Veröffentlichungen in einem bestimmten Zeitraum gegenüber, lässt sich schnell erkennen, welche dieser Artikel besonders beliebt waren. Auf Basis dieser Erkenntnisse kann man einen Redaktionsplan für Zweit- und Drittverwertungen erstellen und diese Termin dann auch gleich planen. Tut man das für einen Zeitraum im Voraus, hat man mehr organische Reichweite im Autopilot-Modus.

Inhalte veröffentlichen

Story Bumping ausnutzen

Beim Story Bumping geht es darum, dass Facebook auch ältere Postings mit (erneuter) Reichweite belohnen will, wenn auf diese Postings wieder verstärkt reagiert wird. Das kommt häufiger vor, als man denkt und wer seinen News Feed aufmerksam beobachtet, wird den Effekt schon gesehen haben. Das Prinzip ist einfach: Ein älterer Post bekommt nach einiger Zeit wieder einen Like, wird kommentiert oder geteilt. Facebook erkennt, dass der Beitrag offensichtlich immer noch relevant ist, und zeigt ihn für einen bestimmten Zeitraum wieder prominenter an – obwohl er im Vergleich zu neueren Artikeln nicht mehr so aktuell ist.

Um das Prinzip des Story Bumpings auszunutzen sind allerdings eine Voraussetzungen zu erfüllen, die wichtigste ist die Art der Interaktion, die erzielt werden muss. Damit ein älterer Artikel im News Feed wieder nach oben gespült wird, muss er neue Kommentare erhalten. Das zu wissen ist notwendig, weil man darauf entsprechend bei der Gestaltung von Postings reagieren muss, wenn man vom Story Bumping profitieren will.

Eng verbunden mit dem Story Bumping ist der Last Actor. Auch dieses Prinzip hat Facebook neu eingeführt, um die Relevanz von Inhalten besser bewerten zu können. Facebook ermittelt hier ständig die jeweils 50 letzten Personen und Pages, mit denen ein User interagiert hat. Tritt eine Häufung von Interaktionen auf, wird ein entsprechendes Posting ebenfalls nochmals bevorzugt. Als Ergänzung zum Story Bumping also ein weiterer Faktor, der auf mehr Interaktion mit hochwertigen Inhalten ausgelegt ist.

Fazit

Die organische Reichweite mag sinken, ob nun ein absichtliches Beschneiden durch Facebook der Grund ist oder eine natürliche Entwicklung. Es ist richtig, dass immer mehr Inhalte in den News Feed drängen und dass Facebook hier regulieren muss. Fakt ist aber, dass man die eigene organische Reichweite auch jetzt noch maximieren kann, wobei das erreichbare Maximum nicht mehr so hoch sein muss wie früher. Dafür kann man im Gegenzug davon ausgehen, dass die eigenen Inhalte künftig auch wirklich nur den Nutzerinnen und Nutzern auf Facebook angezeigt werden, die sich für diese Inhalte definitiv interessieren. Dieses Interesse lässt sich aus dem jeweiligen User-Verhalten ableiten. Wer also auch in Zukunft auf abwechslungsreiche und interessante Inhalte setzt, die für die eigene Community einen klaren Mehrwert darstellen, wird auf Facebook weiterhin erfolgreich sein.

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Björn Tantau
Von Björn Tantau Dezember 12, 2013