Der digitale Presserückblick

08.04.2016 - Matthias Lotzin

Facebook nervt, wir sind Smartphone, Snapchat ist ein Must, Senna disst Angelina und bei Twitter explodieren die Nutzerzahlen: Unglaublich, aber so steht es geschrieben – in der Presseschau!

Live is Life, na na na na na

Live-Videos sind das neue heiße Ding, das hat auch Facebook mitbekommen, und gibt Vollgas: Das Netzwerk ermöglicht ab sofort ein „Leben im Livestream“, wie „Zeit Online“ seinen Bericht über Facebook Live betitelt. Was bietet die neue Livestreamimg-Funktion? „Wer streamen möchte, kann dies künftig öffentlich für alle tun oder nur für einzelne Gruppen, etwa für Familienmitglieder oder einzelne Freunde“, erklärt „Zeit Online“. Und weiter: „Übertragungen können live kommentiert oder mit den im vergangenen Herbst eingeführten Emojis versehen werden, die dann mit denen von anderen in Echtzeit über den Stream fliegen.“ Um Facebook Live möglichst schnell populär zu machen, versuche das soziale Netzwerk „angeblich, namhafte Partner mit Geld zu locken“ – die Onlineausgabe der „Zeit“ sieht darin eine „eine neue Strategie für Facebook, das bislang vor allem darauf vertraute, dass die Nutzer neue Funktionen von sich aus verwenden.“ Für Unternehmen interessant sei „vor allem die prominente Platzierung von Livestreams im Newsfeed der Nutzer sowie die Benachrichtigungsfunktion: Wer live geht, kann dies all seinen Followern per Push-Nachricht mitteilen“.

Genau diese Push-Funktion geht aber den Usern auf die Nerven, heißt es in einer Kolumne des Digitalmagazins „t3n“: „Facebook-Live-Videos nerven mich enorm – und alle anderen auch“. Der Autor schreibt dies, obwohl für ihn Facebook Live „eigentlich ein coole Sache“ sei. Was ihn stört? „Jede Veröffentlichung erscheint als Benachrichtigung. Jede einzelne Veröffentlichung wird einem sogar auf das Smartphone gepusht.“ Die Deaktivierung dieser Benachrichtigungsfunktion habe Facebook „so nutzerunfreundlich umgesetzt wurde, wie es eben nur geht“. User könnten die Push-Meldungen „nicht flächendeckend abschalten, sondern nur einzeln“ Für ihn bedeute das, „dass ich das für jeden meiner 700 Freunde und für jede meiner 700 ,Gefällt-mir‘-Angaben tun müsste. Also, dass ich im Worst-Case an die 1.400 Aktionen durchführe“. Warum Facebook das mache? Die Nutzer würden „penetrant mit Facebook-Live konfrontiert, damit a) auch wirklich ja jeder mitkriegt, dass es da was Neues gibt und b) die Live-Videos der Unternehmen, Influencer und nun auch noch Freunden ausnahmslos von jedem gesehen werden“. Damit sei Facebook „auch nicht besser als jeder nervige Zeuge Jehovas oder Staubsauger-Vertreter, der mich vom Schreibtisch wegklingelt, um mir etwas an die Backe zu labern, was ich überhaupt nicht gebrauchen kann“.

Entdecke die Möglichkeiten

„Im Grunde sind wir alle Smartphones, die immer wieder ein System-Update benötigen“, sagt der Blogger und Journalist Richard Gutjahr im Interview mit dem Medienmagazin „Meedia“. Es geht um „Homeless Media“ – also um den Trend, dass „Content gar keine feste Plattform mehr benötigt“, wie „Meedia“ in der Einleitung zum Interview schreibt. Im Gespräch springt Gutjahr dann zunächst der vielfach für tot erklärten Homepage zur Seite. Die sei zwar nicht mehr wie einstmals „Dreh- und Angelpunkt aller Aktivitäten“, da die Musik mittlerweile in den sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook oder Instagram spiele. Dennoch erfüllte die Homepage „immer noch die wichtige Funktion eines gebündelten Produkt-Portfolios. Sie ist die Anlaufstelle für die zeitlosen Inhalte, die direkt und unmittelbar mit der jeweiligen Firma, dem Sender oder dem Verlag zu tun haben, eine Art Showroom“.
Was sich geändert habe: „Die Nachricht oder unsere Inhalte müssen dahin, wo die Menschen sind. Wo die Nachricht herkommt, ist dabei völlig irrelevant.“ Content-Anbieter sollten dabei von der Wirtschaft lernen und diversifizieren: „Ich denke“, so Gutjahr, „man sollte sich also auf allen bekannten Plattformen tummeln, aber auch immer wieder neue Möglichkeiten ausprobieren“. Vor einem knappen Jahr hätte er nie gedacht, dass er mal Snapchat nutzen würde – heute sei das „ein absolutes Must“. Gutjahrs Fazit: „Wir sind dazu verdammt, uns immer wieder neu zu erfinden. Und wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dabei jemals ans Ziel zu kommen.“

Haarige Zeiten

Dann schauen wir doch mal, was beim neuen „Must“ Snapchat geht. Ein großes Thema ist, wie wir der Onlineausgabe von „Intouch“ entnehmen: „Rocco Stark verteidigt Angelina Heger gegen Senna Gammour-Diss“. „Intouch“ weiter: „Wenn Senna Gammour sich über etwas aufregt und ihr Smartphone zur Hand hat, dann wird es unterhaltsam.“ Und zwar richtig unterhaltsam, denn: „Bei Snapchat zog sie über Angelina Heger her, die Senna offenbar in einen Streit verwickelte, den sie und Rocco mit dessen Friseur haben.“ Das Verzwickte daran: „Da Senna mit jenem Friseur befreundet ist, geriet sie zwischen die Fronten und wollte sich das natürlich nicht gefallen lassen und eröffnete das Feuer auf Rongelina.“ Und was sagt Rocco dazu? Auch das verrät uns „Intouch“: „,Keiner droht hier irgendjemandem, ein Friseur hat einfach nur die Haare übelst verkackt, aber ansonsten weiß ich nicht, wer hier wen provoziert’, sagt Rocco mit gespieltem Ghetto-Slang in die Kamera auf Angelina Hegers Instagram-Profil.“ Wir stellen fest: Wir sind Smartphones, die ganz dringend ein System-Update benötigen!

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Bei Twitter werden sie sich verwundert die Augen gerieben haben. Statt Dauerabgesänge liest man plötzlich Meldungen wie diese von „boerse ARD“: „Neue Hoffnung für Twitter“. „Große Partnernamen“ seien im Gespräch und „treiben an der Börse die Fantasie der Anleger“, so das Wirtschaftsportal. Die großen Namen seien die US-Football-Liga NFL und Mastercard. Twitter habe sich die Online-Rechte für NFL-Spiele gesichert – habe aber „nur die Übertragungsrechte für die Spiele erworben, die am Donnerstag stattfinden. Die Knüller finden meist am Wochenende statt, mit entsprechend höheren Reichweiten.“ Das klingt schon weniger toll. Wie auch das, was eine Managerin von Mastercard laut „boerse ARD“ zur Kooperation mit Twitter sagt: „Wir arbeiten mit ihnen zusammen wie mit anderen Technologiegiganten um herauszufinden, wo unsere Systeme Potenzial haben“. Exklusive Partnerschaft klingt anders.

Mein Freund der Baum

Dafür kann sich Twitter, das ja vor allem unter User-Schwund leidet, über Mitgliederzuwachs freuen! „Erster deutscher Baum bei Twitter“, berichtet die Onlineausgabe der Hannoveraner Zeitung „Neue Presse“ – und stellt den Neu-User vor. Es handele sich um eine „Kiefer in der Schorfheide“, die ihre „Gesundheitswerte ins Netz sendet“. Weitere Bäume sollen folgen, Twitter kann also mit einem massiven Nutzerwachstum rechnen. Was braucht es da noch Mastercard und NFL…

Alles Banane

Bei Twitter gibt’s nicht nur ein neues Mitglied, sondern auch einen neuen Trend. Den schauen wir uns natürlich an, schließlich sollen wir ja „immer wieder neue Möglichkeiten ausprobieren“, wie uns Richard Gutjahr aufgetragen hat. Hilfe erhalten wir von der Onlineausgabe der Computerzeitschrift „Chip“ und ihrem Bericht „#BananaPeelChallenge erobert das Netz“. Die Challenge gehe so: „Jugendliche filmen sich selbst, wie Sie absichtlich auf eine Bananenschale treten, ausrutschen und mit dem Körper, teilweise mit dem Kopf zuerst, auf dem Boden aufschlagen.“ „Chip“ warnt, sich seiner journalistischen Verantwortung bewusst: „Während die Ice Bucket Challenge noch vergleichsweise harmlos war, kann die Bananen-Herausforderung schlimme Folgen haben – selbst Knochenbrüche sind denkbar.“ Jetzt sind wir nicht mehr ganz so sicher, ob wir alle neuen Möglichkeiten ausprobieren möchten. Und haben noch eine Frage an „Chip“, denn das verrät der Bericht nicht: Machen Rocco Stark, Senna Gammour und Angelina Heger auch bei #BananaPeelChallenge mit?

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd