Erst die Freunde und dann – Facebook feilt am News Feed

30.06.2016 - Matthias Lotzin

Freunde und Familie zuerst: Das soziale Netzwerk schraubt am Algorithmus für den News Feed, künftig sollen wir Beiträge unserer persönlichen Kontakte prominenter angezeigt bekommen. Im Umkehrschluss heißt das, dass andere News im Feed nach unten rutschen. Wer die Verlierer sind? Verraten wir gleich.

Facebook-Seiten von Unternehmen haben das Nachsehen

Was bei Facebook in unserem News Feed erscheint, darüber entscheiden nicht wir selbst, sondern Facebook. Die Auswahl trifft ein Algorithmus, an dem das Netzwerk immer mal wieder schraubt – so wie jetzt auch. Das Unternehmen kündigt in seinem Newsroom-Blog ein Update für die kommenden Wochen an. Es soll dafür sorgen, dass die Beiträge „posted by the friends you care about are higher up in your News Feed“.

Was des einen Freud, ist bekanntlich des anderen Leid. Facebook räumt denn auch ein: „Overall, we anticipate that this update may cause reach and referral traffic to decline for some Pages.“ Betroffen dürften in erster Linie die Facebook-Seiten von Unternehmen und Verlagen sein, die über den Auftritt im sozialen Netzwerk ihren Traffic erhöhen wollen – und denen nun erhebliche Reichweitenverluste blühen. Wie stark solche Seiten im News Feed abtauchen, hängt laut Facebook davon ab, wie stark ihre Beiträge von den Usern geteilt werden. Viele Shares und Likes würden den Effekt abmildern. Das Netzwerk rät: „We encourage Pages to post things that their audience are likely to share with their friends.“

Wie sich Firmen nach oben kämpfen können

Was genau bedeutet das für Unternehmen, welche Konsequenzen sollten sie aus dem Update ziehen?

Firmen müssen noch stärker den Fokus darauf legen, ihre Inhalte zielgruppengerecht aufzubereiten und nicht Content von der Stange zu veröffentlichen. Die Beiträge müssen sich von der Masse abheben und mehr denn je besonders originell, besonders nutzwertig, besonders gut und besonders relevant sein, um viral durchzustarten und somit aus eigener Kraft im News Feed nach oben zu gelangen. Am falschen Ende zu sparen und Dutzendware zu produzieren, das zahlt sich am Ende nicht aus.

Ebenfalls noch einmal an Bedeutung gewinnen wird zudem die Onpage-Optimierung von Webseiten. Firmen müssen ihre Homepage so gestalten, dass Besucher von dort direkt ins soziale Netz geführt werden und Inhalte optimal teilen. Hier geht es in erster Linie um technische Aspekte, die mit dem Einbinden von Social-Sharing-Buttons noch lange nicht enden.

Facebooks Kalkül: Höhere Werbeeinahmen

Die Alternative sind gesponserte Posts, man könnte auch ganz altmodisch sagen: Werbung. Wer zahlt, erscheint mit seinen Beiträgen hübsch weit oben im News Feed. Mit dem Update demonstriert Facebook den Unternehmen und Verlagen seine ganze Macht – und sichert sich noch mehr Werbeeinnahmen: Wer zahlt, für den geht’s wieder nach oben. Bei Geld hört eben die Freundschaft auf – auch und gerade in Facebooks News Feed.

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