Facebook will Satire-Kennzeichnung einführen

19.08.2014 - TESTROOM Redaktion

Es mag selbst wie Satire klingen, ist aber 100-prozentig ernst gemeint: Facebook will satirische Inhalte künftig möglicherweise dauerhaft als solche kennzeichnen. Hintergrund sind Websites wie „Der Postillon“ in Deutschland oder auch „The Onion“ in den USA. Beide Onlinemagazine veröffentlichen Nachrichten, die nicht auf echten Fakten basieren, frei erfunden sind und bestenfalls einen Bezug zu aktuellen Geschehnissen haben – das war’s dann aber auch schon. Weil die Meldungen solcher Magazine von vielen Nutzerinnen und Nutzern aber trotzdem oft für echt gehalten werden, will Facebook nun mit einer entsprechenden Kennzeichnung reagieren. Entsprechende Tests laufen in den USA bereits, und wie üblich wird diese Kennzeichnung vermutlich auch bei uns eingeführt, wenn sich herausstellt, dass sie erfolgreich ist.

Satire auf Facebook oft missverstanden

Laut Wikipedia versteht man unter Satire einen „künstlerisch gestalteten Prosatext, in dem Personen, Ereignisse oder Zustände verspottet oder angeprangert werden“. Facebook will nun dafür sorgen, dass solche Inhalte entsprechend mit einer speziellen Kennzeichnung versehen werden.

Wer sich auf der Facebook Page von „Der Postillon“ umschaut, wird schnell erkennen, dass eine Satire-Kennzeichnung dringend notwendig ist. Zwar fallen mittlerweile keinen Tageszeitungen mehr auf Meldung von „Der Postillon“ rein – bei den Usern sieht das aber anders aus.

Ähnlich sieht es in den USA aus. Was bei uns „Der Postillon“ ist, nennt sich in den USA „The Onion“. Das Erfolgsrezept beider Websites ist ähnlich: Aktuelle Ereignisse werden redaktionell aufgegriffen und mit einer gehörigen Portion Spott neu aufbereitet.

Extrem viel Traffic für Satire-Content

Dabei erblicken regelmäßig völlig frei erfundene Geschichten das Licht der Welt. Inhaltlich mag dieser Content nicht echt sein – viele User verkennen das aber und befassen sich intensiv damit, sodass auch entsprechend geliked, geteilt und kommentiert wird.

Diese Interaktionen bringen Seiten wie „Der Postillon“ oder „The Onion“ teilweise extreme Reichweiten, entsprechend hoch ist der Traffic, immer mehr Internet-User lesen die Inhalte.

Dass auf diesem Weg auch viel Verwirrung gestiftet wird, nehmen die Macher dieser Websites in Kauf. Warum auch nicht, sie wissen ja, dass sie selbst Satiremagazine sind – und auch Facebook ist das grundsätzlich klar.

Facebook schützt sich und seine User

Nun besteht Facebook aber aus weltweit 1,3 Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzern, von denen nicht alle sofort erkennen, dass es sich bei den Postings von „Der Postillon“ und „The Onion“ um frei erfundenen Content handelt.

Problem: Wer nicht sofort erkennt, dass es sich um Satire handelt, sorgt zwar für eine Verbreitung – was grundsätzlich gut ist, denn Facebook will ja große Fanpages mit viel Interaktion kultivieren. Die Art der Verbreitung ist aber bedenklich und führt dann zu weiteren Missverständnissen.

Solche Verhältnisse will Facebook um jeden Preis vermeiden, denn genau auf diesem Weg kann der Eindruck entstehen, dass Facebook „falsche“ Inhalte unterstützt. Eine solche Entwicklung würde letztendlich zu einem Vertrauensverlust bei den Usern führen.

Tests zur Satire-Kennzeichnung in den USA

Die geplante Einführung einer Satire-Kennzeichnung dient also nicht nur dem Schutz bestimmter Nutzergruppen, sie soll auch dafür sorgen, dass Facebook keinen schleichenden Image-Verlust erleidet.

„Wir führen derzeit einen kleinen Test durch, in dem der Text ‚Satire‘ über den Links zu satirischen Artikeln im News Feed-Bereich der ‚Related Articles‘ angezeigt wird“, wird ein Facebook-Sprecher in US-Medien zitiert.

Die Satire-Kennzeichnung soll zunächst nur in den USA und dort auch nur an Seiten getestet werden, die eindeutig als Satire-Magazin bekannte sind, wie zum Beispiel „The Onion“. Inwiefern Facebook die Kennzeichnung auf Seiten ausweiten will, die nicht durchgängig satirisch berichten, ist derzeit nicht klar.